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Sommer 2010:

Das Alte Handwerk
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Apotheker und Pillendreher

Ein Arzneimittel ist mehr als eine Ware

Die Geschichte des Arzneimittels begann mit der Urerfahrung der Menschen, die beim Einsammeln ihrer Pflanzen erkannten, dass manche essbar, manche giftig und manche bei Krankheiten hilfreich waren.

Als der Mensch darüber nachzudenken begann, warum er krank wurde, begann der Glaube. Zuerst, dass erzürnte Dämonen eine Krankheit auslösten, dann dass die Götter oder ein Gott einen Sünder strafte.
Mit dem Aufbruch des menschlichen Geistes, der so genannten Achsenzeit, begann der Mensch wissenschaftlich das Problem von Leben und Tod philosophisch zu lösen. Jetzt wurde ein Ungleichgewicht von Körpersäften für eine Krankheit verantwortlich gemacht. Die Humoralpathologie war das Therapieprinzip bis zur Aufklärung und zum Aufkommen der Naturwissenschaften. Krankheit wird heute als Entgleisung von der Norm angesehen.

Grob gesagt, es gab noch andere Heilmethoden, die alle ihre eigenen Medikamente hatten.
Heute gilt, dass ein Medikament nur dann zugelassen und von einer Krankenkasse erstattet wird, das einen wissenschaftlichen Wirkungsnachweis mit Einrechnung von allen möglichen Neben- und Wechselwirkungen erbringt. Das hört sich vernünftig an, aber: nicht immer ist ein hundertprozentiger Wirkungsnachweis zu erbringen. Ein Mensch ist keine Maschine. Er reagiert nicht allezeit gleich und jeder reagiert anders. Manchmal sogar auf ein Scheinmedikament, auf ein Placebo.

Hart, aber fair??? Austherapiert oder letzter Strohhalm? Die Pflege chronisch Kranker mündet in die heikle Frage der Rationierung, die ein Gesunder immer anders beantwortet als ein Kranker.

Die jahrtausend alte Erfahrung mit Drogen war kostenlos, die heute geforderten Untersuchungen sind kostspielig. Und unsozial: ein notwendiges Medikament für Wenige wird nicht mehr entwickelt. Die Problematik unserer Gesundheitspolitik sind nicht die Kosten für die Arzneibehandlung, sondern der medizinische Fortschritt und unsere Demographie. Nicht zu vergessen die Staatsgarantie, für alle Sorgen und Nöte, aber auch alle denkbaren Wünsche zu zahlen.
Eine rechte Stadt braucht eine
rechte Apotheke

Die Arzneimittelversorgung war im Herzogtum Württemberg am Sitz des Hofes und der Städte geregelt. Auf dem Land war besonders die ärmere Bevölkerung auf Selbsthilfe angewiesen – mit zum Teil obskuren Mitteln aus unserer heutigen gut versorgten Sichtweise.

So war es verständlich, dass die Ludwigsburger Bürger nach der Stadterhebung eine eigene Apotheke haben wollten. Sie waren vorher auf die Apotheken der umliegenden Städte angewiesen.

Seit dem Medizinaledikt von Salerno 1241 war die Apotheke die alleinige vom Herrscher zugelassene und amtlich kontrollierte Zubereitungs- und Verkaufsstelle für Heilmittel. Um die Versorgung sicher zu stellen, waren die Apotheker angehalten, Heilpflanzen im eigenen Apothekergarten anzubauen oder ausländische einzukaufen. Die unverkauften Grundstoffe und Zubereitungen mussten jährlich vernichtet werden. Es gab bereits Lager-, Geräte- Ausbildungs- und Dienstvorschriften und eine verbindliche Taxe mit Arbeits- und Stoffpreisen. Durch staatliche Revisionen wurde die Einhaltung peinlichst überwacht.

Dafür gab es das Apothekenprivileg, welches eine Apotheke rentierlich hielt. Der Abverkauf von Drogen oder Arzneimitteln außerhalb der Apotheken war ebenfalls geregelt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Apothekenrechte staatlich konzessioniert, nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschafft. Heute kann jeder Apotheker bei Erfüllung der Vorgaben eine Apotheke mit drei Filialen eröffnen. Großinvestoren wollen künftig Apothekenketten aufbauen, die nach rein marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt werden.

Die inhabergeführte Apotheke am Ort mit geregelter Notdienstbereitschaft und persönlicher, verantwortlicher Beratung ist in Gefahr, eine ähnliche Entwicklung wie andere Branchen zu nehmen.

Die Ausstellung im Heibronner Torhaus in Ludwigsburg zeigt
die Geschichte der Apotheke und die Eigentümlichkeiten der Apotheker auf.

Auf 20 Tafeln wird in einem Rundgang durch die 3 Räume im Oberstock des ehemaligen Wachthauses der Stadt die Entwicklung der Apothekerei in Ludwigsburg durch die Privilegierung der dritten Apotheke, der heutigen Zentral-Apotheke dargestellt. Deshalb wird das Mittel, das die Apotheken vertreiben, zuerst angesprochen.

Das Heilmittel ist keine Ware im üblichen Sinne. Man schreibt ihm über die stoffliche Wirkung eine übernatürliche, nicht messbare, nur im Einzelfall festzustellende Wirkung zu. Auch der Gesetzgeber lässt zu, dass Arzneimittel besonderer Therapierichtungen ohne Wirkungsnachweis verkauft werden dürfen. Es ist gut, dass der Gesetzgeber den Mehrverbrauch von Medikamenten einschränken will. Ein großer Teil der „Arzneimittel“, für die in allen Medien geworben wird, ist wirkungslos.

Astromedizin mit ihren iatromagischen Arzneimitteln, die Signaturlehre, die magische Medizin der Drecks-Apotheke, die chemiatrischen Arzneimittel des Paracelsus, die chymischen Arzneimittel des 17. Jhdts. haben bis heute Spuren hinterlassen.

Findige pharmazeutische Unternehmer greifen dies gerne auf. Sie umgehen die Arzneimittelzulassung, indem sie ihre Wundermittel als Lebensmittelergänzungsstoffe vertreiben.

Wer heilt, hat Recht. Das hört sich gut an. In China wurden die Ärzte nur honoriert, wenn ihre Kunden gesund blieben. Mit dem Erfolg, dass Unheilbare nicht behandelt wurden. Manchmal ist ein Medikament der Nichtschulmediziner ein letzter Strohhalm. Der eine empfindet die Hoffnung wohltuend, wo der andere schmerz- und gefühllos den Tod erwartet.Wer kein Heil kennt, neigt dazu, das Heilmittel zum Wellnessmittel umzuwerten.

Der Apotheker muss seinem Kunden Vertrauen zu seiner Behandlung vermitteln. Aus Zweifeln des Patienten resultieren Nichteinnahmen.

Die Frage der Austauschbarkeit von Arzneimitteln erfordert Sachkenntnis. Sie kann richtig und falsch sein, falsch bestimmt, wenn jede Krankenkasse eigene Vorgaben gibt:

Alte Arzneibücher vermitteln den Zeitgeist. Das alte Württembergische Arzneibuch von 1741 erfreut, das Europäische, das ca. alle
3 Jahre komplett ersetzt wird,
ärgert den Apotheker.

Der Wandel in der Apothekerei mit neuen Arzneimittel brachte fraglos eine Verbesserung mit sich. Der Anstieg der Lebenserwartung mit seinen verschiedenen Folgen bewies dies.

Das 1803 vom Herzog erteilte Apothekenprivileg ist in der Übersetzung von Prof. Dr. Paret zu sehen.

Auch die Apothekerpreise sind ein Thema in der Ausstellung.

An der Zentral - Apotheke wird die Baugeschichte des Marktplatzes sichtbar. In der Gründerzeit suchten wohlhabende Bürger die große, schlossähnliche Stadtwohnung. Deshalb wurde aufgestockt.

Aus Apothekern wurden Gründer weltbekannter Firmen. Weil ein fertiger Apotheker sich nicht als „Materialist“ betätigen durfte, brach Karl Pfizer seine Apothekerausbildung ab und schuf in New York die größte

Öffnungszeiten
Vom 4. Juli bis 19. September jeden 1. und 3. Sonntag eines Monats von 13 – 18 Uhr geöffnet.

Eintritt frei.

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